| Straßenverkehr kost' aber extra! |
| Bekenntnisse eines Bahnfahrers |
| Freitag, den 11. Dezember 2009 um 21:15 Uhr |
|
Die folgenden Zeilen werden sich mit der viel zu selten gestellten Frage beschäftigen, was Personennahverkehr und Geschlechtsverkehr gemeinsam haben. Freilich fallen einem da sofort die völlig identischen Endsilben ins Auge. Desweiteren braucht es nicht besonders viel Abstraktionsvermögen um festzustellen, dass die beiden Wortbestandteile „Personen“ und „nah“ zwar nur in einem von beiden Vergleichsobjekten tatsächlich auftauchen, für das andere aber dennoch einigermaßen unabdingbar sind. Semantisch gesehen wäre jede weitere Ähnlichkeit wohl so sehr an den Sackhaaren herbeigezogen wie der in diesem Satz enthaltene postpubertäre Kalauer. Trotzdem gibt es weitere Parallelen, die ich gerne anhand einer kleinen Geschichte aufzeigen möchte, welche davon handelt wie ich – wie man so schön sagt – von A nach B kommen wollte. Gelang mir dies mithilfe eines mir erbrachten Freundschaftsdienstes noch recht unkompliziert, stellten sich leider gewisse Probleme ein als ich beschloß, dass mein Aufenthalt in B nun durch meine Rückkehr nach A beendet werden solle, wo ich mit Fug und Recht meine Wohnung vermutete, da ich selbige schließlich vor kurzer Zeit dort zurückgelassen hatte. Ich hatte also im weitesten Sinne ein Bedürfnis dessen Befriedigung ich in diesem konkreten Fall durch die Heimkehr meiner selbst anstrebte. Wie bei den meisten Bedürfnissen – und hier nähern wir uns langsam aber sicher wieder der eigentlichen Thematik - gibt es die Möglichkeit hierfür bestimmte Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Man ahnt vielleicht bereits, dass an dieser Stelle nun ein etwas gewagter Brückenschlag hin zu einem Dienstleistungszweig, den man oft als "ältestes Gewerbe der Welt" bezeichnet folgt, welches wie wir wissen nicht von Kutschern oder Rikschafahrern ausgeübt wurde. Hier wie dort wie eigentlich überall fühlt sich König Kunde deutlich höher wertgeschätzt, wenn er eine gewisse Auswahl geboten kommt. Während der Freier an sich nun in seiner Situation also auch aus mehreren Optionen die für ihn am sinnvollsten erscheinende aussuchen kann, sich den gehegten Wunsch zu erfüllen oder viel mehr erfüllen zu lassen, hatte ich mich einer äußerst attraktiven Möglichkeit von vornherein selbst beraubt. Nämlich der, mein Problem auf angenehme aber kostspielige Weise durch das Bestellen eines Taxis zu lösen. Für unseren imaginären Bordellbesucher wäre eine vergleichbare Handlungsalternative das Aufsuchen einer sogenannten Edelhure gewesen; einer Prostituierten also, die mit Papieren, Stammbaum und allem Pipapo darauf wartet, ihm in im weitesten Sinne stilvoller Weise ihre Dienste feilzubieten. Der oben erwähnte von und an mir vorgenommene Raub einer Möglichkeit offenbarte sich mir durch einen kurzen Blick auf meine aktuelle Finanzlage und bedeutet für besagten Rolls Royce unter den Dirnen, dass ihr kurzer Auftritt in unserer Geschichte nun ein jähes Ende findet und die ihr zugedachte Rolle von einem Subjekt ausgefüllt wird, welches sich mit verfilzten Haaren und zerstochenen Venen an Bahnhöfen oder bestenfalls in rostgesprenkelten Wohnwagen am Rande einer spärlich befahrenen Bundesstraße aufhält. Auf meine Lage übertragen war der hiermit am ehesten vergleichbare Lösungsansatz der öffentliche Personennahverkehr. Eine Bushaltestelle war schnell gefunden und ich konnte relativ zufrieden feststellen, dort einige Minuten vor dem hier zu erwartenden Verkehrsmittel eingetroffen zu sein. Relativ unzufrieden stellte ich allerdings dann eine knappe halbe Stunde später fest, dass das Wort Fahrplan eine extrem ungenügende Umschreibung für das vor Ort ausgehängte Schriftstück darstellt, handelt es sich doch allerhöchstens um ein überaus vages Vorhaben, keinesfalls jedoch um einen wirklichen Plan, den irgendwer auch tatsächlich in die Tat umzusetzen gedenkt. Der Bus kam also einfach nicht (und diese Wortwahl stellt kein weiteres jenseits des Gürteläquators angesiedeltes Wortspiel dar, sondern ist rein zufällig entstanden). Stünde Freund Freier nun vor einem vergleichbaren Problem, würde er wohl ähnlich handeln wie ich: Er würde die Dinge selbst in die Hand nehmen. Ebendies tat ich also sprichwörtlich mit meinen Füßen und machte mich auf einen strammen, kalten, windigen und überdies recht regnerischen Fußmarsch gen Heimat. Dort bin ich mittlerweile angekommen und fühle mich durch und durchgefroren. Was mich denn auch zum Abschluß meiner Suche nach Gemeinsamkeiten bringt: Ist man nicht bereit, für seine Bedürfnisbefriedigung eine vergleichsweise hohe Geldsumme zu investieren, kann dies unmittelbare Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Zum Glück wird meines Wissens durch Regen kein Tripper übertragen. Kommentar hinzufügen |