| Glück im Unglück |
| Dienstag, den 01. September 2009 um 18:04 Uhr | |||
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Die unklaren Wetterverhältnisse und ein erkältungsinduziertes Gefühl von körperlicher Ermattung inspirieren mich dazu, mich heute nach der Arbeit von einem Kollegen am Bahnhof absetzen zu lassen. Als ich die Beifahrertür zuschlage merke ich an meinem weibischen Aufschrei, dem eine dadaistische Aneinanderreihung von Flüchen aus dem fäkalen sowie dem sexuellen Bereich folgt, dass gerade irgendetwas furchtbar schiefgegangen sein muss und kurz darauf kann ich auch anhand des Pochens unter meinem Fingernagel genauer sagen, worum es sich dabei handelt. Während ich die Rücklichter des eben von meiner Anwesenheit befreiten Fahrzeugs verschwinden sehe denke ich Glück gehabt... hättest auch komplett mit dem Finger in der Tür hängenbleiben können und würdest dann jetzt über die Bundesstraße geschleift. Oben erwähntes Pochen wird stärker und schmerzhafter was mich dazu bringt, an meinem Zeigefinger eine Augenmaß-Spektralanalyse durchzuführen. Diese bringt folgendes leicht schwammige Ergebnis hervor: Gelbliches Grün, grünliches Blau und natürlich das obligatorische Hellviolett. Ein weiteres Mal denke ich Glück gehabt... immerhin ist da kein Schwarz zu erkennen und genau genommen sehen mindestens 70% des Nagels noch so aus wie man sich einen handelsüblichen Fingernagel vorstellt. Aufgrund meiner langjährigen Erfahrungen auf dem Gebiet der Ungeschicklicheit weiß ich glücklicherweise (!!!) was zu tun ist: Kühlen! Meine Kühltruhe ist allerdings ungefähr 8 km von meinem momentanen Standort entfernt, was mich zum Improvisieren zwingt. Also finde ich mich wenig später auf dem Bahnsteig wieder, in der linken Hand eine im Kiosk erworbene eisgekühlte Plastikflasche stilles Mineralwasser und den schmerzenden Teil der rechten Hand bis zum Anschlag in ebenjene Flasche gesteckt. Von Zeit zu Zeit rühre ich im kühlen Nass um meine Fingerkuppe von noch etwas kühlerem Nass umspülen zu lassen. Glück gehabt.... auf dem Weg zur Stempeluhr habe ich einen kurzen Boxenstopp auf der Firmentoilette eingelegt. Ansonsten könnte das leise Plätschern in direkter Urinierhöhe in Verbindung mit der Absenz einer Bahnhofstoilette zu einer höchst unangenehmen und meinem Alter unangemessenen Entwicklung dieser Situation führen. Dass die Dame zu meiner farbenfrohen Rechten mich beobachtet führe ich darauf zurück, dass es bestimmt etwas seltsam aussieht, wie ich da sitze und mich meiner improvisierten Schmerztherapie unterziehe. Für die Tatsache, dass sie mit den Enden ihres Kopftuches wild in der Luft herumwedelt gibt es mehrere plausible Erklärungen, die ich innerlich abwäge. a) Vertreibung vorhandener bzw.
Abschreckung potentiell im Anflug befindlicher Insekten oder meinetwegen auch Seevögel Noch während ich darüber nachdenke sieht sie mich etwas direkter als vorher an und beginnt das Gespräch mit den Worten „Du! Du Burg? Burg! Wo Burg? Wann kommt?“ In diesem Moment beschließe ich, dass Punkt c wohl der wahrscheinlichste Grund für ihre vorherigen hektischen Bewegungen ist und wähne mich in einer durch Sprachbarriere zusätzlich erschwerten Wiederholung dieses Ereignisses >> (History repeating und so). Dies möchte ich einfach nur möglichst schnell hinter mich bringen, weshalb ich alle Informationen zu sämtlichen mir bekannten Zügen, Gleisen und Abfahrtzeiten zu einem packenden Monolog forme, der mit „… oder hier drüben auf Gleis 2 um äääh... ungefähr 16:35 Uhr“ endet. Als Antwort erhalte ich ein knappes „Nein, nicht 35, sondern 34!“ Ok, offenbar war das hier ein Test, dessen Sinn sich mir nicht ganz erschließt, trotzdem hatte ich ja deutlich schlimmeres erwartet und hätte auch meiner Meinung nach deutlich schlechter dabei abschneiden können. Wow, denke ich mir, Glück gehabt! Ist es nicht etwas paradox, dass eine extrem negative Erwartungshaltung einen irgendwie zu einem Menschen mit (im weitesten Sinne) positiver Grundeinstellung macht? Kommentar hinzufügen
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