| Die Evolution widerlegt |
| Dienstag, den 26. Mai 2009 um 11:02 Uhr | |||
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15:30... Es ist Feierabend und damit bieten sich mir zwei Möglichkeiten. Entweder ich bleibe noch eine halbe Stunde oder ich breche jetzt direkt auf und setze mich angesichts der wundervollen Wetterverhältnisse und meines mitgebrachten Buches noch für eine halbe Stunde am Bahnhof in die Sonne bis mein Zug kommt. Die Vorteile dieser Variante liegen klar auf der Hand. Nachteil allerdings: Man begegnet fast unweigerlich Menschen! Nach reiflicher Überlegung beschließe ich trotzdem, das Risiko einzugehen, mit jener Spezies, zu der ich ja schließlich selbst gehöre, in Kontakt zu kommen. Nun springen wir in der Geschichte ein paar Minuten weiter. Ich könnte natürlich auch detailliert meinen Weg durch Dillenburg beschreiben, aber jeder, der mal da war, kann sich denken, wieso ich mir das lieber ersparen möchte. Alle anderen müssen mir in diesem Punkt jetzt einfach mal vertrauen...Ich bin also am Bahnhof, habe mich auch schnell für einen halbwegs abgeschiedenen und doch von der Sonne verwöhnten Sitzplatz entschieden, an dem ich meinen Folianten auspacke und mit der wohlverdienten Feierabend-Lektüre beginne. Neben mir nimmt eine Frau Platz, die ca. doppelt so alt wie ich zu sein scheint, allerdings ca. dreimal so alt aussieht, was ich streng genommen an dieser Stelle der Erzählung noch garnicht wissen kann, da ich mich in mein Buch vertieft habe und aus einer Mischung von Unhöflichkeit, Ignoranz und Konzentration heraus nicht bereit bin, davon aufzublicken. Zumindest die beiden letztgenannten Komponenten meiner Abwehrhaltung beginnen nachzulassen als ich direkt mit "Junger Mann, ich muss Sie nochmal was fragen!" (Was heißt hier nochmal???) angesprochen werde. Da Konzentration und Ignoranz sich jetzt sowieso fast vollständig verabschiedet haben, beschließe ich, der Lektüre wie auch der Unhöflichkeit eine kurze Pause zu gönnen, und antworte ohne auf das völlig unpassende Wörtchen "nochmal" einzugehen mit "Fragen Sie!", was sich im Folgenden als großer Fehler herausstellen wird. "Ich will nach Sinn." Das ist jetzt wenn man es genau nimmt noch keine Frage, aber ich weiß ja, worauf sie hinaus will und gebe ihr daher die Auskunft, dass sie sich da auf einem guten Weg befindet, weil auf Gleis 2 in absehbarer Zeit ein Zug einfahren wird, der nach Herborn und von dort aus weiter fährt, wobei er auch in Sinn Station macht. Nach einer kurzen Erklärung, wo Gleis 2 ist (nämlich genau da wo wir sitzen) und worin der genaue Unterschied zwischen Gleis 2 und Gleis 3 besteht, vergewissert sich meine Gesprächsgegnerin (denn an dieser Stelle wird mir schon klar, dass aus ihr mit Gewissheit keine Gesprächspartnerin mehr wird) noch einmal genau der geschilderten Einzelheiten, worauf ich ein weiteres Mal, diesmal von einer Menge Handzeichen unterstützt erkläre, dass zwar auch auf Gleis 3 ein Zug Richtung Herborn fährt, und das sogar einen Moment früher, dieser aber NICHT in Sinn hält, weil es sich um einen Express handelt, der zu kleine Ortschaften einfach ignoriert. Nach ein paar Minuten Ruhe in denen ich fast meine Konzentration wiedergefunden hätte, scheint sich bei der potentiellen Zugreisenden wieder ein gewisses Maß an Unsicherheit breitzumachen, weshalb sie mich fragt "Und da muss ich dann nicht umsteigen?" Ich seufze nach innen und sage einfach nur "NÖ", worauf sie erwidert, man habe ihr aber gesagt, sie müsse in Dillenburg umsteigen. Leicht irritiert frage ich, ob sie das nicht eigentlich gerade tut. Sie antwortet mit der Gegenfrage - und zwar alles andere als LEICHT irritiert - "Wo bin ich denn hier überhaupt?" Wenn "Dillenburg" nicht deutlich mehr Silben als "nö" hätte, könnte man wohl behaupten, dass ich jetzt immer einsilbiger werde, zumal ich während ich mir besagten Ortsnamen aus dem Schlund quäle kopfschüttelnd auf das Schild deute, das mir (und damit auch ihr) gegenüber hängt und in diesem Moment glatt als Teleprompter durchgehen könnte. Außerdem seufze ich jetzt nach außen. Man gönnt mir wieder eine kurze Veschnaufpause, die ich auch bitter nötig habe. Und sei es nur um Kraft und Geduld für die nächsten Kurzepisoden von "Ich kann die Höhe meines IQ's mit den Fingern anzeigen" zu tanken. Denn schon setzt sich der Hirnfraß erbarmungslos fort... "Wann kommt der Zug denn?" Ich denke darüber nach ihr zu sagen, dass ich nicht Wiki heiße, gebe mich aber stattdessen der Illusion hin, dass ich nur noch kurz durchhalten muss, weil irgendwann selbst die blödeste Frage gestellt und beantwortet ist. Und dann wäre ja endlich Ruhe. "Keine Ahnung wann der Zug kommt, aber laut Fahrplan (2 Meter neben mir, ich muss wohl nicht erwähnen, dass ich während ich rede, darauf zeige) fährt er um 16:33 hier ab. "Und da sind Sie ganz sicher?" Das reicht jetzt... Ich schlage ihr vor, sich auf keinen Fall von Gleis 2 wegzubewegen um gaaaanz sicher den richtigen Zug zu nehmen und sich dann über alle Unklarheiten beim Schaffner zu informieren während ich mein Buch einpacke und meine Flucht vorbereite. Leider nicht schnell genug, also muss ich noch die Frage über mich ergehen lassen, wo denn hier um Himmels Willen ein Schaffner sei. "Der kommt noch! Mit dem ZUG!!! Da arbeitet der nämlich drin!!!" bringe ich mein letztes Bisschen Geduld auf und verschwinde... Hinter mir höre ich sie noch in zweifelndem Tonfall ein "Ich bin gespannt!" herauswürgen. Das bin ich auch. Nur ganz anders. Wie haben solche Menschen wohl überlebt bevor sie mich kannten? Kommentar hinzufügen
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